Kühn & Gratis

Wir haben uns mit den Künstlern von Hypercycle fällt auf, Kühn & Gratis, getroffen und über den kommenden Workshop und die anschließende erste RAD Performance gesprochen.

Die Fahrräder der Teilnehmer*innen von RAD Performance werden zu kleinen Hypercycles. Techniken aus der Performance Hypercycle fällt aus werden gemeinsam mit den Teilnehmer*innen besprochen, gebastelt, montiert und gefahren. Lasst euch inspirieren und meldet euch noch rechtzeitig für den Workshop am 29. August 2017 bei Kino wie noch nie im Augarten an!

Das Hypercycle ist eine immersive audiovisuelle Fahrrad-Performance, die Noise, Tekkno, Klangkunst, Mindmachines und D.I.Y. verschmelzen lässt.

Das “Hypercycle” und die Performances “Hypercycle fällt aus” oder “Hypercycle fällt auf” oder “hypercycle fällt um” sind für Kühn & Gratis die einzig logische Konsequenz aus ihren Leidenschaften Fahrrad, Noise, Tekkno und D.I.Y.

 

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Die ersten Besprechungen zum Hypercycle liegen etwa 10 Jahre zurück, zum ersten mal vor Publikum gefahren ist es vor ca. 5 Jahren.

Gratis G: Das allererste Konzert war eigentlich das coolste. Das war ein schöner Moment für mich, weil wir keine Masken aufgehabt haben, sondern Helme mit beleuchteten Ballonen und Bärenmasken auf der Seite. Mir ist der Schweiß runter getropft vom Kinn oder von der Nase auf das Oberrohr, das so zwischen den Beinen vom Steuerlager zur Sattelstrebe geht. Ich sehe den Tropfen runter fallen in Zeitlupe und genau in der Mitte vom Oberrohr zerspringt der so in tausend einzelne Tropfen. Das war ein sehr epischer Moment für mich. Gleichzeitig auch das Hypercycle so laut zu hören und es dröhnt voll. Einfach nur „Boah, geil.“ Und der Tropfen zerspringt da und spritzt auf meinem Oberschenkel. Ein epischer Moment, ja.

Conny: Wie wollt ihr bei der RAD Performance gemeinsam mit den Leuten den Groupride gestalten? Habt ihr euch da schon überlegt, welche Route und wie die Teilnehmer*innen gemeinsam spielen?

Kühn: Unser Ziel ist es, dass wir so schnell fahren, dass man gemeinsam spielen kann. Je nach Größe der Räder ist natürlich die Geschwindigkeit eine andere und ich glaube, dass das sehr gut funktioniert, dass die unterschiedlichen Beats, also dass jeder einen Beat spielt und sich die anpassen im Spielen oder im Fahren, was ja das gleiche ist.

Conny: Aufgrund der Geschwindigkeit?

Kühn: Aufgrund von den gleichen Beats. Also ich glaube, dass die Geschwindigkeit unterschiedlich sein muss, damit die Beats passen. Ich glaube, es werden Leute ein bisschen schneller fahren, manche ein bisschen langsamer.

Gratis G: Ganz grundsätzlich ist die Umdrehung vom Laufrad das Sequencing. Du hast eine Umdrehung, die ist quasi eine Einheit, die du unterteilen kannst, wie du willst. Beim jetzigen Hypercycle ist es so, dass die Haupt Tragenden und Musik Tragenden Elemente von Fotowiderständen kommen. Wobei man auch sagen muss, dass das alles analog ist, was da hinten dran hängt. Diese Chips und so, da ist nichts Abstraktes, das sind simple Schaltungen, die einfach eine eckige Sinuskurve und damit einen Ton erzeugen. Die Fotosensoren sind auf beweglichen Werfern montiert. Wenn du ganz runter schaltest, laufen sie auf einer Bahn, wo einmal pro Umdrehung ein Loch drinnen ist, in dieser Scheibe, die das Laufrad komplett zudeckt. Oder es ist ein Licht, das einen Impuls gibt. Und wenn du rauf schaltest, mit dem Werfer, den Fotosensor also nach unten bewegst, kommt er auf eine andere Bahn, wo zum Beispiel zwei Mal pro Laufradumdrehung Licht auf diesen Sensor trifft und sich somit der beat verdoppelt. Wenn man das weiterspielt, hat man dann auf der nächsten Bahn vier Lichtimpulse, die auf den Sensor treffen. Entweder durch Licht oder Reflektoren.

Conny: Das ist interessant, dass du wirklich den Sensor rauf und runter schaltest, der mechanisch bewegt wird.

Gratis G: Wir haben uns schon sehr viele Gedanken gemacht, wie das möglich wäre, auch mit Sachen hinbewegen, mit Bremshebeln zum Beispiel. Da gibt es in Wirklichkeit tausend verschiedene Möglichkeiten, die man umsetzen könnte. Wir haben es jetzt einfach mit Werfen gelöst, die am Rahmen angeschweißt sind und am Ende der Sensor klebt. Dann haben wir einfach nur den Schalthebel, der den Werfer bewegt.

Conny: Nochmal zum Hypercycle: es wandern ja ganz viele Kabeln vom Hypercycle zum Mischpult, das heißt Kühn ist am Mischpult? Was machst du dann genau da?

Kühn: Zum Mischpult kommen die Dynamos direkt als Sinuskurve rein. Da mache ich gar nichts, außer lauter und leiser schalten. Und die anderen Sensoren kommen alle als Signalgeber, entweder für Lautstärke oder für die Modulation einer Kurve. Also wenn sich das Rad nicht bewegt, dann gibt es einen stehenden Ton. Da gibt es keine Bewegung und es gibt auch keine Beats. Je nach Licht, eigentlich ist das Hypercycle auch ein Stroboskob oder Mindmachine gleichzeitig, und durch das durch strebende Licht kommen die Visuals und die Beats raus.

Gratis G: Die Dynamos sind eine ganz spannende Geschichte. Der Dynamo macht ja Wechselstrom und eine perfekte runde, schöne Sinuskurve. Der Dynamo, der sich schneller dreht, macht einen höheren und lauteren Ton, als der Dynamo, der sich langsamer dreht. Und wenn du dir das Laufrad als scheibe hernimmst und den Dynamo weiter innen montierst, dann dreht sich der langsamer, als der Dynamo den du weiter außen montierst. Und wenn du jetzt acht Dynamos montieren würdest, dann hättest du eine ganze Tonleiter abgedeckt und du könntest die Dynamos wie ein Klavier spielen. Das wird wahrscheinlich sehr anstrengend werden, aber du kannst die Dynamos wie eine Klaviatur spielen.

Kühn: Das sollten wir wirklich einmal machen, weil das so plakativ ist, dass man es irrsinnig gut verkaufen kann.

Gratis G: Oder so wie die Leute, die das in Italien gemacht haben, die einfach eine Frequenzweiche eingebaut haben. Die haben einen einzigen Dynamo an einem Rollentrainer montiert gehabt und dann drei verschiedene Knöpfe, wo der Sound unterschiedlich moduliert raus gekommen ist.

Kühn: Mit Elektronik?

Gratis G: Ja, aber simple.

Conny: Und für den Workshop plant ihr da eine ganz simple Version vom Hypercycle?

Gratis G: Das Hypercycle selber ist ganz simple.

Kühn: Wenn man diesen Workshop besucht hat, dann ist man nachher in der Lage selber ein Hypercycle zu bauen. In den vier Stunden geht es sich nie aus, aber ich glaube, dass man die meisten Ideen vom Hypercycle im Workshop bekommen kann.

Gratis G: Es gibt gewisse Soundgebende Funktionen, die man auf das Rad bauen kann, die sehr simple zu machen sind. Zum Beispiel ein Piezomikrofon, das irgendwo anstreift, oder auf den Bremshebeln hinten oder vorne montiert. Wenn du die Bremse drückst, dann drückt es das Mikrofon auch zum Rad. Man kann so mit Bremshebeln spielen. Oder ein paar Kabelbinder in den Speichen in Verbindung mit einem Piezomicrofon, dass du aus und einschalten kannst. So etwas ist wirklich simple. Da muss man nur das Ding hinpicken und das Kabel verlegen.

Conny: Zeigst du das auch beim Workshop?

Gratis G: Ja.

Kühn: Es gibt vielleicht eine gute Ausbaustufe vom Hypercycle. Vielleicht spielen wir einmal ein digitales Konzert. Dass ich alle Sensoren in einen Analog-Digital-Modularsynth rein bekomme.

Gratis G: Aha. Solange es nicht ausschaut wie ein Laptop.

Kühn: Nein, eben genau das gar nicht. In Wirklichkeit ist nicht viel Unterschied. Aus Prinzip-Gründen will ich es eigentlich gar nicht machen, aber aus genau dem Grund müssen wir es einfach einmal ausprobieren.

Gratis G: Nachdem uns nach dem ersten Hypercycle schon fad geworden ist, haben wir dann eben das Zweite mit dem dritten extra Laufrad gebaut und ich bin mir sicher, dass wir für das nächste ein paar neue und unterschiedliche Konzepte mit rein bringen, die das Ganze uns wieder schmackhaft macht. Wir proben nie, wir haben keine Musikstücke in dem Sinn, wir haben nur einen groben Aufbau von einem Set, aber wir haben jetzt keine melodische Abfolge. Ich könnte Töne verschieben, aus- und einschalten und das alles in einem Rhythmus machen und das repetitiv, aber das haben wir bis jetzt auch nie geprobt. Es war nie so, dass wir Musiknummern komponieren, es war mehr ein loses Konzept, das hinter einem Auftritt steht, als eine musikalische Überlegung oder eine Komposition.

Kühn: Sonst würden wir auch irgendetwas anderes nehmen als ein Fahrrad.

Gratis G: Der erste Gedanke war schon, bevor ich ein Musikinstrument lerne, baue ich mir lieber ein Musikinstrument und dann die Dynamos wie ein Klavier spielen, aber dann muss ich Klavier spielen lernen. Es war schon immer der Gedanke, das Fahrrad, wie ein Musikinstrument spielen zu lernen. Das ist bis jetzt nicht eingetreten. Aber es stellt sich eine Routine ein.

Kühn: Das ist dem Gratis G. seine Meinung. Für mich ist es das genaue Gegenteil. Das ist so ein Musikinstrument wie ein Staubsauger und nachdem ich genug Konzerte mit Staubsauger kenne, finde ich wirklich das Hypercycle ist ein absolutes Musikinstrument. Aber wir schaffen halt nie irgendeine Form von klassischer Notenfolge oder so. Ich glaube, es ist einfach mehr ein Sound-Performance-Ding, es wie ein Instrument für “normale” Musik zu spielen, das ist unmöglich.

Gratis G: Der Subtext ist meistens Bike-Strobo-Tekk…

Kühn: D.I.Y. Bike-Strobo-Tekk-Boom. Noise-Tekk-Boom-Boom…

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